mHealth – mehr als nur eine App!

Die Digitalisierung des Gesundheitssektors schreitet seit Jahren unter wechselnden Vorzeichen und unter wechselnder Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen voran.

 

Unter dem Begriff eHealth wird vornehmlich der Einsatz von computergestützten Behandlungsmethoden verstanden. Die technische Fortentwicklung der Behandlungsmethoden findet jedoch am althergebrachten Standort („Point of Care“) durch das bisherige medizinisch Personal in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen statt.

 

mHealth wird dabei vielfach nur als Teildisziplin von eHealth bzw. als ihre Fortentwicklung auf Basis der Verbreitung moderner Kommunikationsmittel (Smartphones, Tablets ) angesehen. Diese Sichtweise wird jedoch dem Potential beider Entwicklungsstränge nicht gerecht.

Betrachten wir eHealth als die Weiterentwicklung  moderner Informationstechnologie im medizinischen Analyse- und Behandlungsbereich , wird zu beobachten sein, wie mHealth das Gesundheitssystem in seinen  etablierten Strukturen fundamental verändert.

 

mHealth ermöglicht eine komplett neue Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Die Kommunikation wird das persönliche Gespräch in der Praxis um den Kontakt via Email, Patienten-Chat und Videotelefonie ergänzen. Der Point of Care wird sich auf das gesamte Lebensumfeld des Patienten erweitern. Das Messen von einfachen Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Bewegungsart und -intensität übernehmen in technikaffinen Bevölkerungsteilen schon heute u.a. die schicken Wearables der angesagten Smart-Device-Anbieter.

Technologischer Fortschritt und fortwährender Kostendruck im Gesundheitswesen treiben die Entwicklung neuer medizinischer Dienstleistungsformen weiter voran. Veränderung anamnetischer und kurativer Abläufe in den etablierten Arztpraxen und Krankenhäusern werden durch den Einsatz moderner Technologie intensiviert:

 

  • Online-Anamnese zur fundierten Vorbereitung des Arzttermins, Videotelefonie zur Erstbegutachtung des Patienten bzw. zur Absolvierung notwendiger Nachuntersuchungen
  • Einsatz virtueller Konsile um adhoc und weltweit Experten zu fallbezogenen Konsiliargemeinschaften zusammenschließen zu können
  • Schaffung virtueller Polikliniken als Antwort auf den Fachärztemangel außerhalb der Metropolregionen

 

Eine fortwährende Virtualisierung der Kommunikation zwischen Arzt und Patienten sowie die stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Parteien im Gesundheitssektor untereinander werfen zwangsläufig die Fragen des Datenschutzes, der IT-Security und der ärztlichen Schweigepflicht in der öffentlichen Debatte auf.

 

Versicherungsgesellschaften suchen immer mehr den Weg nicht pauschalierte Produkte zur Absicherung und Versorgung von Bevölkerungsgruppen anzubieten, sondern individualisierte Verträge mit dem einzelnen Versicherungsnehmern abzuschließen.

Auch das medizinische Personal sieht sich mit der Weiterentwicklung von Expertensystemen in den bisherigen Rollen nicht nur unterstützt, sondern auch zunehmend in Frage gestellt.

 

Etablierte Verfahrensweisen zur Sicherung von Datenströmen und Datenbanken aus anderen Branchen müssen die Entwicklungen des technisch Möglichen ebenso begleiten, wie dies an anderer Stelle schon länger Gegenstand der Diskussion und regulatorischer Eingriffe ist, weil dort der Umgang mit sensiblen Daten schon länger technikgestützt erfolgt. 

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